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Jean Sibelius (1865–1957):

”Humoresken” für Violine und Klavier op. 89 Nr. 2 und Nr. 4

In Jean Sibelius’ Jugend war sein größter Traum, Geiger zu werden. Auf dem Weg zur Virtuosenkarriere gab es jedoch zwei Hindernisse: Erstens bekam Sibelius seine erste Geigenstunde sehr spät, erst im Alter von 15 Jahren, und zweitens litt er an schrecklichem Lampenfieber. Möglicherweise bedeutete ihm das Geigenspiel so viel, weil er damit seine glückliche Jugend auf dem Lande verband: Er dachte später daran zurück, wie er mit seiner Violine auf dem Uferfelsen des Vanajavesi-Sees gestanden und mit der Natur als einzigem Publikum improvisiert hatte.

Der ehrgeizige Sibelius meldete sich jedoch noch als 25-Jähriger zum Probespiel bei den Wiener Philharmonikern an. Die Jury fand ihn aber zu nervös für einen guten Orchestermusiker. Sibelius beschrieb später, er sei bei diesem Probespiel so aufgeregt gewesen, dass er einen „metallischen Geschmack“ im Mund verspürt habe.

Sibelius entschied, sich auf das Komponieren zu konzentrieren, und spielte Violine danach hauptsächlich in privatem Kreise. Die Geige blieb jedoch immer sein Lieblingsinstrument: Eines seiner bekanntesten Werke, sein einziges Konzert für Soloinstrument, komponierte er eben für die Violine. Zusätzlich schrieb er auch andere Werke für Violine und Orchester, darunter 1916–17 die Sechs Humoresken op. 87 und op. 89. Sibelius hatte offensichtlich gemeint, dass die Humoresken als Serie aufgeführt werden sollten, und die zwei verschiedenen Opusnummern beruhten auf einem Irrtum des Verlegers. Obwohl die Humoresken kleinformatige Kompositionen sind, sagte Sibelius, sie seien „von großem Format“. Die ganze Serie dauert ca. zwanzig Minuten.

Sibelius verfasste für diese Humoresken weiterhin eigene Versionen für Violine und Klavier. Zwei dieser Stücke werden im Rahmen des heutigen Konzerts gespielt. Es ist beachtlich, dass die Kompositionen ursprünglich für Violine und Orchester geschrieben wurden und dass vielleicht nicht alle Originalideen als solche in der Kammermusikversion zu hören sind. Die Kompositionen sind originelle, von den Kirchentonarten gefärbte Musikstücke. Die Humoreske op. 89 Nr. 2, das vierte Stück der Serie, charakterisierte der bekannte Sibelius-Forscher Prof. Erik Tawaststjerna als „lyrisch-melancholisches Intermezzo“. Die letzte Humoreske dieser Serie in g-Moll op. 89 Nr. 4 beginnt ein bisschen trotzig: Die virtuosen Figuren führen zu dem Seitensatz in Es-Dur. Sibelius vermied in seinen Humoresken große abschließende Höhepunkte, und auch diese letzte Humoreske endet in entspanntem Ruhezustand.

 

© Terhi Dostal 2009