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Kaija Saariaho (*1952):

Ballade (2005)

Die finnische Komponistin Kaija Saariaho gehört zu den wichtigsten Avantgardisten unserer Zeit. Schon als junge Künstlerin gründete sie u.a. mit ihren Mitstudenten Magnus Lindberg und Esa-Pekka Salonen den Verein „Korvat auki“ (dt. „Ohren auf“), der die Förderung und Bekanntmachung der zeitgenössischen Musik zum Ziel hat. Kaija Saariaho ist besonders für ihre vornehmen, mystischen Orchesterkompositionen bekannt: In ihnen ist der Einfluss der spectralists, einer französischen Komponistengruppe, deren Kompositionen auf der Computeranalyse des Klangspektrums einzelner Töne auf verschiedenen Instrumenten basieren, zu spüren. Zwar setzte die Komponistin das Klavier in ihren Kammermusikwerken und als Teil ihrer Orchestertextur ein, komponierte aber bisher nur zwei Solowerke für Klavier: Ballade (2005) und Prélude (2007).

Saariahos Ballade wurde im Auftrag des Pianisten Emanuel Ax komponiert und ist ihm gewidmet. Die Komposition war Teil eines Konzertprogramms, in dem Ax nur Stücke mit dem Namen „Ballade“ spielte. In der deutschen Literatur ab dem späten 18. Jahrhundert versteht man unter „Ballade“ ein mehrstrophiges erzählendes Gedicht. Der Begriff bürgerte sich im 19. Jahrhundert in die Musikterminologie ein und bedeutete darin eine manchmal sogar eine komplette Geschichte erzählende Komposition.

Obwohl Saariaho mit Ballade ein Stück schrieb, dessen Name schon vor der Komposition vereinbart worden war, ist das Wort „Ballade“ jedoch kein einzeln stehender Titel. Saariaho hat der Ballade keine programmatischen Bezugsrahmen gegeben, aber die Teile der Komposition haben klar unterschiedliche Stimmungen, die ein Gefühl verschiedener Figuren und Ereignisse hervorrufen können. Die Komponistin hat einen Ton gesucht, der an den Klangteppich des Orchesters erinnert und der am besten mit viel Pedaleinsatz verwirklicht werden kann. Obwohl es möglich ist, „Melodien“ und „Begleitung“ wie in einem klassischen Klavierstück zu erkennen: Das Ziel der Interpretation der Komposition ist nicht, die Melodien hervorzuheben und die Begleitung im Hintergrund leise zu halten. Eher sollte der Interpret in dieser kurzen Klavierdichtung das Drama, die verschiedenen Töne und Charaktere der Ballade und die Farbpalette der im Pedal klingenden Obertöne des Flügels glaubhaft umsetzen.

© Terhi Dostal 2009